Singen macht glücklich

Auszug aus dem Buch "Warum Singen glücklich macht"

von Prof. Dr. Gunter Kreutz, erschienen im Psychosozial-Verlag 2014

 

In der präverbalen Phase, im ersten Lebensjahr der Säuglinge, ist die Kommunikation vor allem von musikalischen Elementen geprägt. Es ist die „Musik“ in der Sprache, an der sich die Babys orientieren. In zahlreichen Studien von Sandra Trehub an der Universität in Toronto wurde nachgewiesen, dass Babys Tonhöhen, Tonabstände, Klangfarben, Melodien und musikalische Strukturen erkennen können. Ebenso hat die Forscherin herausgefunden, dass wenige Wochen alte Babys auf die Sprech- und die Singstimme ihrer Mütter unterschiedlich reagieren. Beim Ansingen z.B. zeigten sich die Babys viel aufmerksamer als im Vergleich zum Ansingen. Besonders bemerkenswert ist jedoch, dass durch das Singen beim Baby tatsächlich biologische Veränderungen, wie z.B. Veränderungen des Stresshormon-Spiegels, messbar waren. In einer Studie der kanadischen Psychologin Laurel Trainor wurde nachgewiesen, dass Kinder, die an wöchentlichen Singgruppen teilnahmen, wesentlich weniger Stressverhalten zeigten, als Kinder, denen dies nicht ermöglicht wurde.

Die Tatsache, dass man im Gegensatz zum Sprechen gleichzeitig singen kann, ist ein sozialer Aspekt, der Kleinkinder nachhaltig beeindruckt. Forscher eines Kinderkrankenhauses haben nachgewiesen, dass das gemeinsame Singen und Geschichtenerzählen mit einer größeren sozial-emotionalen Gesundheit der Kinder verbunden war, genauso wie Kinder besser schliefen, wenn sie Lieder vorgesungen bekamen.

Rein physisch betrachtet ist bemerkenswert, dass Babys stundenlang schreien können ohne ihre Stimme irgendwie zu schädigen. Diese Tatsache verändert sich bereits im Kindergartenalter, Stimmprobleme treten sogar recht häufig auf und können sich auf die Sprachentwicklung der Kinder negativ auswirken.

Wöchentliche Gesangsübungen von 45 Minuten unter professioneller Anleitung stärken nachhaltig den Stimmapparat und schützen die Kinderstimme.

In Untersuchungen von Beck und Kollegen (2000) wurde nachgewiesen, dass schon beim Singen von etwa 30 Minuten, das Protein Immunoglobulin A, welches unsere erste Abwehrlinie gegen Viren und Bakterien darstellt, signifikant erhöht war. Ebenso war das Stress-Hormon Cortisol gesunken. Interessant ist, dass das Stress-Hormon auch beim reinen Anhören von Musik ebenso sinkt, während das Immunabwehrprotein nur beim selbst Singen steigt.

In einer Studie des Stockholmer Karolinska Institut für Stressforschung zeigte sich ein Anstieg des Hormons Oxytocin nach Gesangsstunden. Dieses Hormon ist mit Wohlbefinden und Glücksgefühlen, sowie im Zusammenhang mit sozialer Bindung verbunden.

Der Züricher Neurowissenschaftler Lutz Jäncke erforschte den Zusammenhang von Singen bzw. Musikzieren und kognitiven Leistungen und kam zu dem Schluss, dass musikalische Kompetenzen tatsächlich noch weitgehender Auswirkungen auf die menschliche Wahrnehmung, das Denken und Handeln auswirken. Musikalische Interventionen z.B. bewirken ähnliche Ergebnisse wie gezieltes Sprachtraining.


Singen bewirkt also:

• Ein Loslassen körperlicher Anspannung
• Emotionales Loslassen und Minderung von Stress
• Ein Gefühl von Glück und Wohlbefinden
• Eine Stimulation der Denkfähigkeit (Aufmerksamkeit, Konzentration, Gedächtnis & Lernen)
• Ein Gefühl kollektiver Verbundenheit
• Ein Gefühl wachsender Selbstsicherheit und Selbstwertschätzung
• Ein Gefühl therapeutischer Linderung psychologischer und sozialer Probleme
• Ein Gefühl körperliche Systeme zu trainieren (insbesondere der Lungen)

(Clift et al., 2008, S.5ff, Übersetzung G.K.)

Singgruppe der "singenden Krankenhäuser e.V.":

Romana Ackumey, Stimmgenuss-Coach

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Romana Ackumey

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